
Juni 2008 - Das Wichtigste beim Fussballspiel ist der Gegner. Keiner mag ihn, aber ohne ihn geht’s nicht los!
Ernst Probst (*1946, deutscher Schriftsteller und Verleger)
Babylon steht vor der Türe! Viele von uns, auch wenn wir nur über bescheidene Theologiekenntnisse verfügen, kennen die Geschichte des Turmbaus zu Babel und die darauf folgende weltweite Sprachwirrnis. Auch die EURO 08 beginnt in wenigen Tagen. Endlich können wir unsere mühsam erworbenen Fremdsprachenkenntnisse schamlos nutzen. Wir werden das blaue Wunder erleben. Redensarten sind nämlich Glückssache!
Die Tschechen kommen zu uns. Wenn in ihrer Sprache jemand ‚Dreck am Stecken hat’, weil vielleicht in der Heimat ein Stadionverbot ausgesprochen wurde, dann lautet die Redensart ‚Butter auf dem Kopf’ (‚má máslo na hlave’). Diejenigen, die aber anreisen und ihre Siebensachen packen, packen im Tschechischen ihre ‚fünf Pflaumen’ zusammen (‚sbalit si svych pet svestek’), leben sie wie die Made im Speck, heisst das dort wie ‚das Schwein im Roggen’ (‚prase v zite’).
Wenn bei uns die gebratenen Tauben in die Mäuler fliegen, dann segeln lustigerweise den Italienern ‚keine Lasagne in den Mund’ (‚A nessuno piovono le lasagne in bocca’). Sollten zudem die Franzosen wider Erwarten nicht so leichtfüssig aufspielen und sich dann klammheimlich französisch verabschieden, würden sie das auf die nicht anwesenden Engländer münzen und sich daher ‚englisch vom Acker machen’ (‚filer à l’anglaise’).
Auch die Spanier werden uns manchmal Rätsel aufgeben. Was diese nämlich nicht verstehen, schieben sie locker auf die Chinesen (‚esto me suena a chino’). Derweilen die Italiener sich am Kopf kratzen und den Arabern die Schuld geben, wenn sie etwas nicht auf die Reihe bringen (‚per me questo è arabo’). Übrigens tragen die Griechen ‚Eulen nach Athen’, die Deutschen und Schweizer ‚Wasser in den Rhein’, die Holländer ‚Tannen nach Norwegen’ und die ‚Tschechen Holz in den Wald’. Tja Babylon lässt grüssen. Redensarten müssen nicht immer Sinn machen. Fussball verursacht beileibe nicht nur Freude und Begeisterung. Manchmal wird leidenschaftlich geflennt, es gibt ohne Verlangen geknickte Nasenbeine, gestresste Lebern versuchen alkoholisierte Sturzbäche zu neutralisieren und die Stimmbänder hängen lose wie auch gereizt im dicken Hals.
Passen Sie auf - auch das Herz wird während der Euro 08 stark gestresst. Ob auf dem Sofa oder dem Stadionsitz – die Stresshormone umfluten die Koronargefässe und lassen den Muskel manchmal flimmern, bocken und aussetzen. Wird jedoch der Brustdruck gross, öffnen die Franzosen ihr Herz (‚parler à coeur ouvert’) und die Italiener nehmen es, um ihm wahrscheinlich wieder auf die Sprünge zu helfen, zärtlich in die Hand (‚parlare col cuore in mano’).
Nicht nur die Deutschen und Schweizer machen manchmal aus Mücken mächtige Elefanten, wenn die Spielresultate nicht so werden, wie wir es uns insgeheim wünschen. Da werden die Mücken bei den Tschechen genügsame Kamele (‚dla z komára velbloud’), bei den Franzosen die Fliegen Rüsseltiere (‚faire d’une mouche un élephant’) und bei den Spaniern die Flöhe Dickhäuter (‚hacer de una pulga un elefante’). Wie allen bekannt ist, gibt es in Polen keine wild lebenden Elefanten. Aber wenn dort sinnigerweise ein Büro aufgemacht wird, dann wird die feine Nadel zur groben Heugabel (‚robic z igly widly’).
Es wird ein Fest werden. Die Stadt Basel - als aufgeschlossene Host-City - wird den fussballbegeisterten Menschen aller Nationen eine unvergessliche Euro 08 bescheren. Hauptsache König Fussball schiesst Tore, alle haben was davon und wir kennen ein paar Redewendungen mehr.
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Wir besetzen Ihre Vakanz.


