
Auch im sozialen Netzwerk kann man sich gelegentlich erdrosseln.
Martin Gerhard Reisenberg, (*1949), Diplom-Bibliothekar in Leipzig und Autor
Das Internet bietet während der Arbeitszeit viel Ablenkung und Zerstreuung. Nicht immer zur Freude der Personalabteilungen und Wirtschaft. Das elektronische Sperren von sozialen Netzwerken am Arbeitsplatz ist Ausdruck von Hilflosigkeit. Das Problem löst sich ohnehin von selber.
Als vier Studenten, nämlich Mark Zuckerberg, Chris Hughes, Dustin Moskovitz und Eduardo Saverin, in Harvard ihr Studium aufnahmen, wussten sie dazumal nicht, dass ihre Idee, die im Jahr 2004 entstand und den Zweck hatte die Studenten/-innen auf dem Campus besser zu vernetzen, weltweit auf so grossen Zuspruch stossen wird. Facebook war geboren. Im August 2009 wurden schon ca. 250 Millionen Nutzer/-innen gezählt. Nur ein Drittel davon kommt noch aus den USA. Was früher noch hip für Jugendliche war, wird unterdessen von den Erwachsenen zwischen 30 – 40 Jahren erobert. Die Studentenidee entwickelte sich in der Zwischenzeit zu einer veritablen Firma mit ca. 1´000 Mitarbeitenden. Der angebliche Wert der Unternehmung ist gigantisch. Ob er nachhaltig ist, wird sich herausstellen.
Das elektronische Vernetzen mit anderen Menschen ist eine nette Sache, deren Mehrwert für den Beruf oder das Geschäft sich noch nicht wirklich abzeichnet. Viele virtuelle Bekannte auf dem Netz zu haben ist für einige furchtbar wichtig und ein ganz persönlicher Indikator sozialer Aufmerksamkeit. Diese kann zudem eine mögliche Quelle schneller Befriedigung für menschliche Eitelkeiten sein. Wie mehr andere Interessenten/-innen sich mit einer anderen Person verbinden lassen möchten, desto wichtiger scheint ihr Profil zu sein. Nicht selten ist aber das wirkliche Leben nicht damit einverstanden.
Doch die wirtschaftliche Zukunft sozialer Netzwerke ist nicht gesichert. Die Dienste lassen sich schlecht in Geldmaschinen umwandeln. Werbung kann dazu führen, dass der wertneutrale Austausch von Informationen und Kontakten zwischen den Nutzer/-innen gestört wird, diese ausbleiben und die Attraktivität schnell verringern. Einnahmen sind jedoch wichtig, wenn eine schnell wachsende Community wirklich bei Laune gehalten werden will und damit auch die Weiterentwicklung gesichert ist. Nichts geht so schnell vor die Hunde, wie Dienstleistungen, die keine Innovationen anbieten und langsam zum Selbstzweck verkümmern. Andere mit ähnlichen Ideen werden angriffslustig dazu stossen und sich gezielt eine bestimmte Anspruchsgruppe suchen.
Facebook und andere Anbieter von sozialen, elektronischen Netzwerken sollten nicht aus den Unternehmen verbannt werden. Ihr geschäftlicher Nutzen ist zwar im Moment unbedeutend klein und oft eine modische Zeiterscheinung. Verbote reizen aber die kreative Energie vieler, um diese möglichst schlau zu umgehen. Viel besser sind deutlich kommunizierte Regeln, die allen klar machen, dass soziale Netzwerke während der Arbeitszeit ein ‘No-Go-Area’ ist und während den Pausen oder am Feierabend emsig genutzt werden dürfen.
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